Kubanische Zigarren in den USA – ein verbotener Genuss

Zigarre auf US-Dollar und kubanischem Peso liegendKubanische Zigarren stehen für höchsten Genuss und erstklassige Qualität. Die feinen Rauchwaren sind neben Zucker und Zitrusfrüchten einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Wirtschaftsfaktoren des karibischen Staates und machten im Jahr 2010 rund 8% des Exportvolumens aus (Quelle: Exportbericht Kuba – Außenwirtschaftsportal Bayern, Dez. 2012), genauso viel wie Zucker. Rund die Hälfte der produzierten Zigarren werden exportiert oder über Duty-Free Shops verkauft. Jedoch konnte Kuba trotz der großen Nachfrage nach heimischen Zigarren das Potenzial, das die Tabakpflanze birgt, auf Grund fehlender Vertriebswege und nicht zuletzt wegen des US-Embargos nie vollkommen ausschöpfen, obwohl die Habanos S.A. mit einem Marktanteil von 25% immer noch den weltweit größten Distributor von Tabakwaren darstellt.

Die USA haben neben China, Russland und der EU den größten Tabakverbrauch weltweit. Rund 1.343 Mrd. US-Dollar wurden 2004 für den Import von Tabakwaren aufgewendet. Zigaretten machen dabei den Hauptbestandteil aus, aber auch feinere Tabakwaren wie Zigarren werden in den USA umfassend konsumiert. Die Dominikanische Republik ist dabei einer der Hauptexporteure, der den US-amerikanischen Konsumenten Premiumtabakerzeugnisse wie Zigarren zur Verfügung stellt. Nicht zuletzt, weil dort auch die beliebten kubanischen Marken für den US-Markt produziert werden, die im Original auf Grund des US-Embargos gegen Kuba in den USA nicht gehandelt werden dürfen. Durch die kubanische Revolution und die damit einhergehenden Enteignungen zog es viele der kubanischen Tabakbauern in die Nachbarländer der Karibik oder Südamerikas. Sie brachten nicht nur ihr Know-how, sondern auch die Rechte an ihren kubanischen Zigarren mit, die nun für die USA unter ihren bekannten Namen, jedoch mit dominikanischen Tabaken produziert werden.

Beliebte kubanische Zigarren:

Das US-Handelsembargo gegen Kuba

Das Handelsembargo der USA gegenüber Kuba besteht seit 1962 und ist in dieser Zeit verschiedentlich verschärft oder gelockert worden. Die aktuellen Bestimmungen, die seit dem 30. Juni 2004 in Kraft sind, erlauben es US-Bürgern nur mit vorheriger Genehmigung des Office of Foreign Assets Control in Kuba Geld auszugeben oder auch Geschenke anzunehmen. Die Einreisebestimmungen wurden jedoch gelockert, sodass es US-Amerikanern mit kubanischen Wurzeln erlaubt ist, ihre Verwandten in regelmäßigen Abständen zu besuchen und auch Geld zu überweisen. Zudem wurde der Export wichtiger landwirtschaftlicher oder pharmazeutischer Produkte zu humanitären Zwecken erleichtert. Die Vereinigten Staaten waren 2007 der größte Exporteur für Lebensmittel nach Kuba und insgesamt der sechstgrößte Handelspartner.

Das Embargo war 1962 ein Druckmittel der US-Regierung im sich verschärfenden Konflikt mit Kuba nach der Revolution und Ausdruck der Missbilligung der engen Verbindungen von Kuba zu Russland. Schon seit 1958 war ein Waffenembargo gegen Kuba in Kraft. Nachdem die neue kubanische Regierung unter Fidel Castro das Eigentum von US-Bürgern und US-amerikanischen Unternehmen enteignet hatte, wurden 1960 durch den damaligen Präsidenten der USA, Dwight D. Eisenhower, weitere restriktive Maßnahmen ergriffen, die z.B. die Importquote von Zucker drastisch heruntersetzten. Unter J. F. Kennedy trat das Embargo 1962 per Präsidentenerlass endgültig in Kraft und untersagte den Handel mit Kuba und den Vertrieb kubanischer Produkte in den USA, einhergehend mit verschärften Reisebestimmungen.

Nachdem es über die Jahre immer wieder Lockerungen der geltenden Bestimmungen gegeben hatte, wurde das Embargo 1992 durch den Cuban Democracy Act auch im Gesetz festgeschrieben und verschärft. Bis heute wird der Sinn und Nutzen des Embargos im Senat kontrovers diskutiert und von nicht wenigen Abgeordneten eine Aufhebung gefordert.

Am 16. Januar 2015 trat eine Lockerung des Embargos, initiiert durch Präsident Obama, in Kraft. So können jetzt Waren im Wert von insgesamt 400 US-Dollar von Kuba in die USA eingeführt werden. 100 US-Dollar dürfen davon für Alkohol und Tabakwaren ausgegeben werden. Zudem dürfen US-Bürger ihre Kreditkarte in Kuba nutzen und ohne spezielle Genehmigung einreisen, solange sie einen von 12 Gründen vorweisen können, z.B. Familienbesuch oder Bildungszwecke. Die Lockerung ermöglicht Kuba auch den Import von technologischen Produkten aus den USA.

Auswirkungen auf den kubanischen Tabakhandel und Illegalität

Das Handelsembargo sollte eigentlich die kubanische Wirtschaft schwächen, sorgte aber zumindest bei den Tabakwaren dafür, dass kubanische Zigarren in den USA durch ihre Illegalität einen ganz besonderen Reiz auf die Tabakkonsumenten ausüben. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 10% des kubanischen Zigarren-Exports in die USA geschmuggelt werden. Sogar Kennedy selbst soll kurz vor Inkrafttreten des Embargos 1962 noch tausend kubanische Zigarren für seinen persönlichen Gebrauch angefordert haben.

Heute werden die ehemals kubanischen Zigarren vorrangig aus der Dominikanischen Republik bezogen, wo ähnliche klimatische Bedingungen herrschen und mittlerweile viele ehemalige kubanische Tabakbauern ansässig sind. An den Geschmack einer echten kubanischen Zigarre reichen diese jedoch nicht heran.

Auch in Deutschland sind vereinzelt die für den US-Markt produzierten, ursprünglich kubanischen Zigarren-Marken, erhältlich. Hierzulande aus markenrechtlichen Gründen jedoch unter anderen Namen. So ist die in den USA erhältliche Marke La Gloria Cubana in Deutschland unter dem Namen El Credito erhältlich. Bestellen Sie eine La Gloria Cubana Zigarre jedoch in Deutschland, erhalten Sie eine Zigarre, die direkt aus Kuba kommt.

Kubanische Zigarrenmarken, die es in den USA lange nur als Duplikat gab: