Das Umblatt – gibt Halt und Geschmack

Bei der Zigarrenherstellung sind drei Komponenten von besonderer Bedeutung, die das „Fundament“ einer hochwertigen Longfiller Zigarre bilden. Neben der Einlage, dem Zigarreninnenleben, und dem Deckblatt, das die äußere Hülle bildet, spielt das Umblatt eine besonders essentielle Rolle. Doch um verstehen zu können, welche Bedeutung dem Umblatt zukommt und warum es für eine Premium-Zigarre so unentbehrlich ist, muss man ein paar Schritte in der Zigarrenmanufaktur zurückgehen.

So ist bereits der Anbau des Tabaks wichtig für die spätere Auswahl der Blätter, aus denen einmal Einlage, Umblatt und Deckblatt werden. Während die Pflanzen für das Deckblatt separat angebaut werden, bezieht man die Blätter für Tabakeinlage und Umblatt, das auch Capote oder Binder genannt wird, aus ein und derselben Pflanze. Unterschieden wird hierbei zwischen den Blattstufen: Seco (mediumkräftiger, mittlerer Teil der Pflanze) und Volado (milder, unterster und damit von der Sonne kaum berührter Teil der Pflanze) sind die Grundlage jedes Umblattes. Der obere Teil der Pflanze, die Ligero-Blätter, wird meist für die Einlage verwendet. Durch die gute Brennbarkeit und die physiognomischen Eigenschaften (Dehnbarkeit, Flexibilität) ist vor allem das Seco Blatt als Umblatt-Zutat beliebt. Wenn man dabei bedenkt, wie viele verschiedene Umblatt-Sorten es gibt, ist es faszinierend, wie sehr die Tabaksorte sowie das Anbaugebiet und seine ökologischen Eigenschaften eine Rolle spielen müssen.

Rolle für die Zigarre und für den Genuss

Nach der Ernte werden die Blätter zunächst getrocknet und entlüftet. Nachdem die Hauptrippe der Pflanze entfernt wurde, werden die Blätter der Tabakpflanze mehrmals fermentiert, um erst nach monate- oder sogar jahrelanger Lagerung zu den Zigarrenrollern als fertiges Rohmaterial für Deckblatt, Umblatt und Einlage zu kommen. Anschließend ist es Aufgabe des Zigarrenrollers (Torcedor), die drei Komponenten miteinander zu verbinden. Das Umblatt dient dabei, um die Einlage zu halten. Dadurch wird die Zigarre erst in ihre Form gebracht, das Deckblatt ist dann die abschließende optische Veredelung.

Doch es ist nicht nur der haltgebende Aspekt, der das Umblatt zur benötigten Zigarrenkomponente macht. Es ist darüber hinaus enorm wichtig für das Abbrennverhalten der Zigarre, denn dabei entfalten die Einlageblätter erst ihr Aroma, und dies von innen nach außen. Das Umblatt ist also „Mediator“ zwischen brennender Einlage und offenem Mundstück, egal ob die Zigarre geschnitten oder gebohrt wurde.

Bei der Auswahl der fertigen Tabakblätter für den Binder wird weniger Wert auf Optik (manche Deckblätter mit Schäden werden sogar noch als Umblätter genutzt), als auf die mechanischen Fähigkeiten gelegt. Die erwähnte Elastizität muss also gegeben sein, um dynamischere Einlagen gut festzuhalten. Außerdem ist der Grad der Fermentation wichtig, denn der Zugwiderstand spiegelt meist genau den Grad der Trocknung und der Luftfreiheit wider, den das Blatt erfahren hat: Ist es nicht gut genug durchlüftet worden, ist beim Zug die meist ungeliebte, langsame Rauchwirkung mit einem spürbaren Widerstand festzustellen. Ist das Umblatt jedoch vom Aufbau perfekt gewählt, ist die lange Strecke zwischen Mundstück und Zigarrenfront mit dem Zug fast nicht zu benennen. Zudem ist es im Geschmack ausgewogen. Das erwähnte Seco Blatt bildet den perfekten Anteil an Kohlenhydraten und Stickstoff, was es im Aroma medium aromatisch und angenehm erscheinen lässt.

Mehr Umblätter für mehr Geschmack

Heutzutage wird zudem weitaus mehr mit dem Umblatt experimentiert: Während früher für den Binder nur ein einziges Tabakblatt verwendet wurde, machen heute die Blends teilweise zwei oder gar drei Capotes aus. Somit hat man vor allem in Sachen Geschmacksvariation mehr Möglichkeiten, die einzelnen Komponenten zu verbinden. Ein Seco-, sowie ein Volado-Umblatt zu verwenden, hat also den Effekt, dass der Seco Binder aromatisch mit der Einlage harmoniert, während das Volado- Umblatt der festen Struktur noch mehr Stabilität verleiht. Der Dreier-Komplexität wird somit noch ein Aspekt hinzugefügt: Die Harmonie unter den zwei Umblättern. Besonders experimentierfreudig sind zum Beispiel die Produzenten von Davidoff und Rocky Patel Zigarren mit Bindern, die unterschiedlich lange gelagert wurden. Es ergibt sich eine Art „Mehrgenerationen-Harmonie“, mit der absolut einzigartige Tabakerzeugnisse kreiert werden können.