Filtern nach

1 Artikel

1 Artikel

Armagnac - Die Geschichte vom „Bruders" des Cognac

Laut einer noch erhaltenen Urkunde über eine Erzeugergenehmigung wurde Armagnac bereits 1461 hergestellt. Von daher ist er zumindest der ältere Bruder des Cognac, dessen Herstellung im 17. Jahrhundert verbürgt ist. Die Tradition der Branntweinherstellung entwickelte sich in Frankreich aus drei Kulturkreisen: Die Römer brachten den Weinbau in die Region, die dort siedelnden Gallier beherrschten die Kunst der Fassherstellung, und von den Mauren stammt die Destillationstechnik. Ursprünglich wurde Armagnac als schmerzlindernde und desinfizierende Medizin verwendet.

Der Name Armagnac leitet sich von der gleichnamigen Region ab, in der heute etwa 15.000 h Rebfläche für die Herstellung des Brandys zugelassen sind. Mengenmäßig ist Armagnac seltener als Cognac, weshalb er als sein kleinerer Bruder gilt. Herstellung und Export sind streng reglementiert, weshalb dieser Weinbrand als begehrtes Luxusprodukt gelten müsste. Leider wurde in den Nachkriegsjahren aufgrund extremer Begehrtheit und der daraus folgenden Nachlässigkeit sein Image ruiniert. Heute gibt es für skeptische Genießer keinen Grund mehr, die Güte eines Armagnacs anzuzweifeln, auch wenn sich diese Ansicht noch nicht überall durchgesetzt hat.

Was einen Armagnac ausmacht

Hauptsächlich werden für Armagnac Trauben der weißen Sorten Ugni Blanc, Baco Blanc, Colombard und Folle Blanche gekeltert. Sechs weitere Rebsorten sind zugelassen, spielen jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Rebstöcke müssen mindestens fünf Jahre alt sein, ehe erstmals Armagnac aus ihren Trauben gebrannt werden darf.

Der Brennwein darf nur ohne Zusatz von Schwefeldioxid und Zucker hergestellt und dabei nicht umgefüllt werden. In Brennblasen aus Kupfer wird dieser Wein kontinuierlich in einem Schritt gebrannt. Anschließend wird er in Fässern aus der regional typischen „schwarzen Eiche" gereift. Für jeden Jahrgang werden zunächst neue Fässer verwendet, wobei das Eichenholz mindestens sechs Jahre gelagert haben muss. In den frischen Fässern löst das Destillat die gewünschten Holzbestandteile heraus und erhält seine charakteristische Bernsteinfarbe, bis später eine Umfüllung in ältere Fässer erfolgt. Damit wird ein zu starker Holzgeschmack vermieden und die Aromen können an Feinheit gewinnen. Mindestlagerzeit ist ein Jahr, normal sind jedoch sechs bis acht Jahre. Auch Armagnacs mit 20 und mehr Jahren Lagerzeit werden angeboten.

Der fertige Armagnac enthält mindestens 40 Vol. % Alkohol und besitzt häufig ein Aroma mit Anklängen an Vanille und Backpflaumen. Je nach Anbaugebiet und Lagerzeit haben verschiedene Marken und Jahrgänge ihren eigenen Charakter. Neben der traditionell bauchigen Flasche, die an einen fränkischen Bocksbeutel erinnert, werden heute auch hohe, schlanke Flaschen zur Abfüllung verwendet.

Geschmack und Qualität

Die besten Armagnacs kommen aus dem Anbaugebiet Bas-Armagnac, wo die Spitzenlagen Grand Bas genannt werden. Sorten- und gebietsreine Brände sind selten und z. B. an der Bezeichnung „Bas-Armagnac" zu erkennen. Meist werden auch verschiedene Jahrgänge miteinander verschnitten. „Millésime" weist auf einen reinen Jahrgangsarmagnac hin. Das Alter, falls nicht in Zahlen angegeben, lässt sich an den Klassifizierungsstufen erkennen, die auch für Cognac verwendet werden (Drei Sterne, V.S.O.P. und Napoléon).

Zu den größten Armagnac-Herstellern gehört Armadis mit seinen Premium-Marken Chabot und Puysegur. Ausschließlich Jahrgangsarmagnacs liefert Darroze, die außerdem gebietsrein und nicht mit Wasser verdünnt sind (etwa um den Alkoholgehalt anzugleichen). Sehr bekannt sind auch Marnier-Lapostolle, die den Bitterorangenlikör Grand Marnier erfunden haben und Cognacs und Armagnacs herstellen.