1×1: Wie schmecken wir eigentlich das Aroma der Zigarre?

Hochwertige Zigarren zeichnen sich durch eine besondere Komplexität der Aromen aus. Wie sich die einzelnen Nuancen am besten „erschmecken“ lassen und wie Sie die aromatische Vielfalt einer guten Zigarre optimal genießen lernen, das erklären wir in Kurzform hier.

Mit allen Sinnen genießen: Bewusstes Schmecken der Aromen

Raucher zieht an Zigarre

Erst einmal die Basics: Für unseren Geschmackssinn, unsere gustatorische Wahrnehmung, spielen vor allem Zunge und Nase eine wichtige Rolle. Auf unserer Zunge befinden sich zahlreiche Geschmacksknospen, die – vereinfacht gesagt – zwischen fünf Grundgeschmacksrichtungen unterscheiden können: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Letztere ist eher unbekannt, zeigt jedoch proteinreiche Lebensmittel an und kann grob mit dem Attribut „herzhaft, vollmundig oder intensiv“ beschrieben werden.

Für alle weiteren Geschmacksrichtungen, die über diese Basiskategorien hinausgehen, ist hauptsächlich der Geruchssinn verantwortlich. Nur die Sensorik in unserer Nase ermöglicht es durch das „Feintuning“ die einzelnen Aromanoten herauszufiltern. Das erklärt auch, warum man bei einer Erkältung mit verstopfter Nase nur noch eingeschränkt schmecken kann. Für den Genuss von guten Zigarren bedeutet das: Nutzen Sie alle Sinne, vor allem auch den Geruchssinn.

Aromenrad Noblego

10 wichtige Punkte, wenn Sie das volle Aroma einer Zigarre schmecken wollen

  • Muße: Generell gilt es, Ruhe zu bewahren und sich selbst zu vertrauen. Nehmen Sie sich Zeit für die Zigarre. Lassen Sie sich zunächst nicht von anderen Meinungen, schon gar nicht von „selbsternannten Expertenmeinungen“ oder Tasting-Berichten beeinflussen. Zunächst geht es um den ersten spontanen und ganz subjektiven Eindruck. Später kann es aber durchaus hilfreich sein, sich an Berichten von anderen Genussrauchern zu orientieren.
  • Kaltgeruch: Bevor Sie Ihre Zigarre entfachen: Riechen Sie an ihr und stimmen sich so auf den Smoke ein. Entdecken Sie vielleicht Nuancen von Erde, Süße, frischem Heu oder sogar einen leicht „stalligen“ Geruch?
  • Unvoreingenommenheit: Und wo wir gerade beim Stallgeruch sind – für die einen riecht das gut, für andere eher nicht. Tasten Sie sich während des Smokes so unvoreingenommen wie möglich an die neuen Aromen heran. Neues ist logischerweise erst einmal ungewohnt und unsere Geschmacksknospen müssen sich erst daran gewöhnen. Aber genau darin liegt doch der Reiz an einem Leben als Gourmet, oder nicht?! 😉
  • Kaltzug: Nehmen Sie die Zigarre zwischen die Lippen und ziehen im kalten Zustand an ihr. Welche Aromen nehmen Sie wahr? Notieren Sie sich ruhig Ihre subjektiven Eindrücke, um diese später mit den sich entwickelnden Aromen während des Smokes zu vergleichen.
  • Das Rauchen: Was schmecken Sie, während der Rauch im Mund verbleibt? Der spontane Eindruck zählt. Wer möchte, kann sich nach dem ersten, ganz subjektiven Eindrücken, an dem Noblego- Aromenrad orientieren. Was für Unterschiede gibt es, auch im vergleich mit den geschmekcten Aromen während des Kaltzuges.  Schmecken Sie eine der zehn Aromengruppen heraus, die sich am äußeren Rand des Rades befinden? Oder vielleicht sogar Aromen aus der Mitte? Schmeckt die Zigarre holzig, süß, fruchtig, organisch, scharf, pflanzlich, nussig, nach Gewürzen, Röstaromen oder Schokolade?
  • Zunge: Halten Sie den Rauch im Mund und achten Sie dabei ganz bewusst auf Ihre Zunge. Wo regt sich was, in welchen Bereichen der Zunge ist der Geschmack besonders intensiv? Die Zungenspitze ist beispielsweise auf Süßes ausgerichtet, bittere Aromen nehmen wir auf dem hinteren Teil der Zunge wahr.
  • Lippen: Bleibt ein Geschmack auf den Lippen zurück? Schmecken die Lippen – nach oder während des Smokes – vielleicht süß oder salzig?
  • Nase: Blasen Sie den Rauch auch zwischendurch einmal durch die Nase aus. Nehmen Sie neue Nuancen wahr, die vorher nicht präsent waren? Verändert sich dadurch vielleicht sogar der Geschmack auf der Zunge? Wie riecht der Rauch der Zigarre generell? Versuchen Sie, die Raumnote des Zigarrenrauches zu beschreiben.
  • Rauchverlauf: Üblicherweise unterteilt man die Zigarre in Drittel, um den Rauchverlauf einheitlich beschreiben zu können. Das erste Drittel gestaltet sich verhältnismäßig mild, im zweiten Drittel nimmt die Zigarre dann etwas an Fahrt auf, sodass sich das letzte Drittel deutlich schärfer und pfeffriger als die ersten beiden gestaltet. Was ist ihr persönlicher Eindruck während der verschiedenen Drittel? Verändert sich der Geschmack? Machen Sie sich Notizen.
  • Aromensensorik verfeinern: Wie überall gilt auch hier – Übung macht den Meister. Haben Sie Geduld, besonders als Einsteiger in die Welt der Zigarren. Zunächst wird es geschmacklich vermutlich auf die bereits erwähnten fünf Grundgeschmacksrichtungen hinauslaufen. Allmählich werden Sie dann aber immer feinere Geschmacksempfindungen beim Smoke bemerken.

Im Laufe der gerauchten Zigarren werden Sie wahrscheinlich ebenfalls bemerken, dass sich Aromen auch in Kombination mit äußeren Faktoren verändern. So kann sich unser Geschmacksempfinden zum Beispiel je nach Tageszeit wandeln, manch eine Zigarre kann am Morgen als wunderbar empfunden werden, während sie abends eher „langweilig“ und zu mild schmeckt. Das gilt natürlich besonders in Kombination von Getränken zur Zigarre. Es ist daher ratsam, zunächst mit einem neutralen Getränk wie stillem Wasser zu neuen Zigarre zu beginnen, bevor dann etwa der schwere Portwein zusammen mit der Zigarre verköstigt wird. Mehr dazu gibt es hier zu erfahren. Und wer jetzt noch  mehr zum Thema Zigarren-Aromen erfahren möchte, dem sei unser Zigarrenlexikon empfohlen. Hier geht es ebenfalls auch darum, welche charakteristischen Aromen den verschiedenen Anbauregionen nachgesagt werden.

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