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Brandy, Weinbrand oder Branntwein?

Das EU-Recht regelt relativ streng, welche Spirituosen unter der Bezeichnung Brandy bzw. Weinbrand verkauft werden dürfen. Grundsätzlich darf der Alkohol in diesen Spirituosen nur aus Wein, also dem vergorenen Saft von Weinbeeren, stammen. Jedoch kann Brandy international auch Spirituosen bezeichnen, die davon abweichen.

Die deutsche Bezeichnung Weinbrand ist fast gleichbedeutend mit Brandy, jedoch nicht mit Branntwein. Laut EU-Verordnung ist Branntwein quasi die Grundform eines Destillats aus Wein, das weniger als 86 aber mindestens 37,5 Vol. % Alkohol enthält. Es darf nicht mit anderen Spirituosen vermischt werden, keine Zusätze enthalten und nur als Branntwein vermarktet werden, wenn es einer Reifezeit unterzogen wurde.

Weinbrand und Brandy werden wie folgt charakterisiert:

  • Spirituosen aus Branntwein und maximal zur Hälfte höherprozentigen Weindestillaten
  • Reifezeit je nach Größe der Eichenholzfässer mindestens sechs bis zwölf Monate
  • kein Zusatz von Aromen und Farbstoffen außer Zuckerkulör
  • vorgegebene Grenzwerte für flüchtige Bestandteile und Methanol

Traditionelle Herstellungsverfahren sind damit nicht ausgeschlossen, denn Weindestillate bzw. Brandys lassen sich mit verschiedenen traditionellen Destillations-, Misch- und Reifeverfahren gewinnen.

Die berühmten Spanischen Brandys

Die Ursprünge der Weindestillation werden in der Region der heutigen Türkei vermutet. Bereits um 1000 n. Chr. wurden dort Spirituosen aus Wein hergestellt. In Europa hat die Brandy-Herstellung besonders in Spanien eine lange Tradition. Das Land ist der größte Brandy-Produzent der Welt. Die Region Jerez de la Frontera in Andalusien ist besonders bekannt für ihre Brandys, die als regionale Spezialität geschützt sind.

Für spanischen Brandy werden zwei verschiedene Destillate verwendet: Die Holandas mit 60 bis 65 Vol. % Alkohol tragen das eigentliche Brandy-Aroma und werden mit Destilados mit 84 bis 86 Vol. % verfeinert. Das eigentliche Geheimnis von Brandys aus Spanien ist jedoch die Lagerung und Reifung in speziellen Fässern aus amerikanischer weißer Steineiche, in denen zuvor häufig Sherry gelagert wurde. Beim sogenannten Solera-Verfahren durchlaufen die beiden Ausgangsdestillate eine bestimmte Abfolge von Fässern. Die daraus hergestellte Mischung wird je nach Qualitätsstufe weitere Monate oder Jahre gelagert – der einfache Solera durchschnittlich 18 Monate, Solera Reserva meist 3 Jahre und Solera Gran Reserva mindestens 8 bis 15 Jahre, häufig länger. Der übliche Trinkstärke-Alkoholgehalt von 36 bis 40 Vol. % wird durch den Zusatz von Wasser erreicht.

Besondere Popularität erlangte die Brandy-Marke Veterano des Traditionsunternehmens Osborne. Der schwarze Osborne-Stier gilt sogar als inoffizielles spanisches National- und Kultursymbol.

Brandys aus aller Welt

Brandys aus Frankreich sind bei uns als Cognac bekannt, wobei nur solche aus Weinen der Region Charente oder Charente-Maritime mit mindestens 40 Vol. % Alkohol so bezeichnet werden dürfen. Nach einem Brennvorgang in zwiebelförmigen Brennblasen muss ein Cognac mindestens 30 Monate in Eichenholzfässern aus den Wäldern des Limousin gelagert werden. Aus der Gascogne kommt der Armagnac, der kontinuierlich in einem Brennvorgang gewonnen wird.

Deutscher Weinbrand muss mindestens 38 Vol. % Alkohol enthalten und eine amtliche Prüfungsnummer auf dem Etikett vorweisen. Bekannt ist z.B. Asbach Uralt aus Rüdesheim. Sehr bekannt ist auch Chantré, der sich aufgrund seines geringeren Alkoholgehalts und fehlender Zertifizierung nicht offiziell „Deutscher Weinbrand" nennen darf.

Italienische, portugiesische und armenische Brandys sind bekannt für ihre Herstellung aus regionalen Weinen. Auch in den USA versteht man unter Brandy Spirituosen aus reinen Weinalkoholen. Dagegen kann in Norwegischem Brandy zum Weindestillat auch einheimischer Alkohol, meist aus Kartoffeln, zugemischt werden.

Geschmacklich lässt sich Brandy nur nach der jeweiligen Herkunftsregion charakterisieren. Typische Ausgangsweine, verschiedene Destillationsmethoden und spezielle Lagerungs- und Reifeprozesse geben einer Brandy-Marke ihren unverwechselbaren Charakter.