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Grappa – der Traditionsschnaps aus Italien

Und zwar so traditionell, dass der Grappa laut EU-Richtlinien und italienischem Recht ausschließlich in Italien und der italienischen Schweiz hergestellt werden darf.

Das hochprozentige Tröpfchen findet seinen Ursprung im typischen Nutzdenken der italienischen Bauern, möglichst alles zu verwenden, was die Natur hergibt. Der Wein war zum Alleinvergnügen der herrschenden Klasse bestimmt. Der Trester blieb dem Bauern, der es zu einem starken Getränk destillierte - eben Grappa.

Vor gar nicht langer Zeit wurde Grappa daher stets als Abfall der Weinerzeugung bezeichnet. Ab dem 19. Jahrhundert avancierte der Grappa dann aber mehr und mehr zum Nationalgetränk und und galt in dieser Zeit auch als ein Getränk der Helden. Italienische Soldaten erhielten im Ersten Weltkrieg täglich eine Ration Grappa, um den Schrecken der geführten Schlachten zu mildern.

Die positive Wandlung des Grappa-Images ging auch danach weiter und so mauserte sich der ursprüngliche "Bauernschnaps" in den letzten Jahrzehnten zur Edelspirituose.

Zur Herstellung von Grappa

Wegen der bäuerlichen Herkunft des Getränkes ist kein schriftliches Zeugnis von dessen ursprünglichem Entstehen vorhanden.

Angeblich wurde Grappa in Italien bereits seit dem 11. Jahrhundert hergestellt. Die Destillationskunst wurde im persischen Raum entwickelt. Mit Beginn der Kreuzzüge brachten die Gelehrten aus dem Orient dann diese neue Technik nach Italien, wo sie von Jesuiten-Mönchen übernommen wurde.

Das Destillationsverfahren wurde über die Jahrhunderte verfeinert und entwickelt. Die Trester, Grundlage zur Grappa-Herstellung, müssen für den Destillationsvorgang ausreichend Feuchtigkeit besitzen. Früher hat man die Traubenschalen direkt über dem Feuer erhitzt, was dem Grappa ein verbranntes Aroma gab. Heute benutzt man für die Destillation große Behälter, in denen die Traubenreste abwechselnd erhitzt und wieder abgekühlt werden. Durch diesen Vorgang wird hochprozentiger Alkohol gewonnen und aufgefangen. Nach dem Abschluss der Destillation wird dem Alkohol Wasser beigemengt, der Schnaps muss aber immer noch mindestens 37,5 Prozent Alkohol enthalten.

Um den typischen Geschmack einer bestimmten Grappa-Sorte zu erzeugen, wird der Grappa mindestens sechs Monate in Holzfässern gelagert. Je nach Holzart der Fässer kann der Grappa eine andere Farbe - bis hin zu einem bernsteinfarbenen Ton - annehmen; auch der Geschmack hängt von der Art und Dauer der Lagerung ab.

Grappasorten

Um einen guten Grappa herzustellen, setzt man fast ausschließlich auf frische Trester – der Grappa lebt von seinen Fruchtaromen. Ein typischer Grappa zeigt sich jung, fruchtig und frisch. Es gibt allerdings auch Sorten, die bis zu 10 Jahre in Fässern reifen und geschmacklich dann eher an den Brandy erinnern.

Grappa wird überall in Italien gebrannt, aber die Hochburgen liegen im Friaul, in Venetien, im Piemont und im Aosta-Tal, wobei Venetien und Friaul die weitaus längste Grappa-Tradition haben. Innerhalb einer Region können so gegensätzliche Destillate entstehen wie zum Beispiel im Piemont aus Trebern und Moscato-Trauben (weich, lieblich) und andererseits aus Nebbiolo (trocken, herb, tanninhaltig).

Welchen Grappa man persönlich am meisten schätzt, ist Geschmackssache, aber hier einige Sorten, die man, am besten an einem italienischen Abend, probieren sollte.

  • - Grappa Bianca Del Veneto - mildes Aroma, langanhaltendes Volumen
  • - Grappa di Cabernet - sehr fruchtig und reifes, vollmundiges Aroma
  • - Grappa di Chardonnay - lange Lagerung, weiches, sehr fruchtiges Bouquet
  • - Grappa di Chianti - aus dem Weinanbaugebiet der Toskana, schmeckt eher trocken und etwas "grasig"
  • - Grappa Invecchiata - Reifezeit von einem Jahr, ist mild im Geschmack und aus verschiedenen Traubensorten hergestellt
  • - Grappa di Moscato, aus der gleichen Rebsorte wie viele Likörweine, ist geschmacklich wunderbar rund und weich