Zigarren rollen – eine ganz besondere Kunst

Eine Zigarre zu rollen bzw. zu drehen ist nicht nur schnödes Handwerk, sondern vielmehr eine Kunst, die mit viel Leidenschaft ausgeführt werden sollte. Um ein so fragiles Gebilde wie eine edle Zigarre zu rollen, sind viele kleine Schritte nötig, die ganz vom Geschick des Torcedores oder der Torcedora abhängen. 40 bis 180 Zigarren schafft ein erfahrener Zigarrenroller pro Tag. Das ist eine Mammutaufgabe, der nicht jeder gewachsen ist und die eine besondere Leidenschaft für den Beruf und die Zigarre voraussetzt. Zigarren drehen ist demnach weniger ein Beruf als eine Berufung.

1. Die Schritte bis zum Rollen der Zigarre

2. Zigarren rollen ist gar nicht so einfach

3. Zigarren drehen im Akkord

Die Schritte bis zum Rollen der Zigarre

TabakfeldSchon der Anbau spielt eine wichtige Rolle für die spätere Verarbeitung der Blätter. Man unterscheidet zwei verschiedene Arten des Anbaus: Beim Tabaco tapado werden die Tabakpflanzen unter Planen angebaut. Diese dienen dem Schutz vor zu viel Sonneneinstrahlung, können aber je nach Bedarf auch entfernt werden, sodass die edlen Pflanzen etwas mehr Sonne erhalten. Auf das Entfernen der Tabakblüte wird verzichtet, dadurch entstehen Blätter, die sehr dünn und gleichmäßig gestaltet sind und daher besonders als Deckblätter einer Zigarre verwendet werden. Die zweite Anbautechnik tabaco del sol lässt die Tabakpflanzen unter der Sonne reifen. Im Gegensatz zum Tabaco tapado werden die Blüten der Pflanzen hier entfernt, was den Blättern einen kräftigeren Geschmack gibt, da sich die wichtigen Nähr- und Aromastoffe nun ausschließlich in den Blättern ablagern. Diese Blätter werden oft für die Einlage oder als Umblatt verwendet.

Beim Zigarren drehen werden in der Einlage drei verschiedene Tabakblätter verarbeitet. Je nachdem, an welcher Stelle der Pflanze ein Blatt wächst, entwickelt sich dessen aromatische Intensität. Blätter, die der Sonneneinstrahlung am meisten ausgesetzt sind, sogenannte ligeros, haben einen wesentlich kräftigere Stärke und aromatische Ausprägung als diejenigen, die näher am Boden wachsen wie seco oder volado Blätter. Letzteres wächst am Fuße der Tabakpflanze und ist von milder Stärke. Durch Kombination der drei unterschiedlichen Blattarten kann die Zigarre in ihrer Stärke reguliert werden. Je mehr ligero desto stärker wird die Zigarre nach dem Rollen schmecken.

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Zigarren rollen ist gar nicht so einfach

Bevor mit dem Zigarren drehen begonnen werden kann, müssen die verschiedenen Blätter nach ihrer Eignung zunächst sortiert werden. Dann wird ihnen die Mittelrippe entfernt. Da diese Tätigkeit meist auf den Schenkeln ausgeführt wird, entstand wohl das Gerücht, Zigarren würden auf den Oberschenkeln von Frauen gerollt. So schön diese Vorstellung auch ist, ist das Handwerk des Zigarrenrollens dennoch eine immer noch männlich dominierte Tätigkeit, die erst nach und nach auch von Frauen ausgeführt wird.

Um eine Zigarre zu rollen, braucht der Torcedor verschiedene Utensilien:

Casquillo Zylinderförmiges Messer zum Ausstanzen der capa
Tabla Holzbrett auf dem die Blätter zurechtgeschnitten und gerollt werden
Chaveta Eine Art Wiegemesser zum Zurechtschneiden der Tabakblätter
Goma Zigarrenkleber, um die Blattenden zusammenzukleben
Cepo Werkzeug zum Messen der Länge und des Durchmessers der Zigarre, wird auch synonym als Bezeichnung für das Ringmaß verwendet
Guillotine Dient zum glatten Zurechtschneiden der Enden der Zigarren, wie bei einem Cutter

In manchen Fällen empfiehlt es sich, eine Sprühflasche mit Wasser zu benutzen, da Zigarren feucht gerollt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass sie nicht zu nass sind, da die richtige Balance der Feuchtigkeit beim Rollen genauso wichtig ist wie bei der Lagerung. Nun kann es losgehen: Zu Beginn des Zigarrenrollens legt der Torcedor, angepasst an die Größe des Formates, das er rollt, zwei bis drei Umblätter ausgebreitet auf den Tisch. Darauf stellt er sich die Einlage aus einer Mischung aus ligero, seco und volado Blättern zusammen. Diese werden länglich, also in Zugrichtung, angeordnet. So entstehen beim Rollen kleine Luftkanäle, durch die der Rauch zirkulieren kann. Anschließend wird die Einlage fest, aber nicht zu dicht in das Umblatt gerollt. Hierbei ist viel Fingerspitzengefühl gefordert: Rollt man zu fest, wird sich der Zugwiderstand später recht schwer präsentieren, rollt man hingegen zu locker, wird der Abbrand ungleichmäßig und auch der Zug viel zu leicht. Ist die Einlage ordnungsgemäß im Umblatt verpackt worden, wird die sogenannte Puppe mittels einer Zigarrenpresse in ihre finale Form gebracht. Dort verweilt sie ungefähr 15 bis 30 Minuten, bis endlich das Deckblatt zum Zuge kommt.

Nachdem die Puppe aus der Presse genommen wurde, werden mit einem Messer die überschüssigen Blätter am Kopf und am Fuß entfernt. Nun fällt der Torcedor die Auswahl über das Deckblatt. Handelt es sich um eine dunkle Zigarre wählt er ein Maduro-Blatt, bei einem helleren Äußeren werden oft Connecticut Shade, Connecticut Seed oder auch Sumatra Deckblätter verwendet. Jedes von ihnen hat seine ganz eigenen geschmacklichen Ausprägungen und trägt nicht unwesentlich zum Aroma der Zigarre bei. Mit der Chaveta wird das Deckblatt in Form eines Halbmondes zurechtgeschnitten und um die unfertige Zigarre gerollt. Am Kopf wird es mit einem speziellen Zigarrenleim festgeklebt und zu einem geschlossenen Ende gerollt. Eine weitere Möglichkeit ist das Ausstanzen eines kleinen Teils des Deckblattes mit dem Casquillo, welcher als Abschluss des Zigarrenkopfes dient. Nachdem das Brandende der Zigarre mit der Guillotine in Form geschnitten wurde, ist der edle Tabakstängel fertig gerollt.

Zigarren drehen im Akkord

Ein erfahrener Torcedor braucht für das Zigarren rollen nur wenige Minuten. Umso verwunderlicher ist die Präzision, die mit jedem einzelnen Schritt einhergeht. In einer achtstündigen Schicht ist das Rollen von Zigarren Akkordarbeit. Um die Arbeiter zu unterhalten oder sie über das politische Geschehen zu informieren, gibt es in den Tabacaleras spezielle Vorleser, die aus Büchern oder Zeitungen vorlesen. So kam auch die kubanische Zigarre Romeo y Julieta zu ihrem Namen. Denn das Drama Shakespeares war eines der Lieblingsstücke der Torcedores in den Fabriken der Habanos Marke. Bis heute ist „lectora de tabaquería“ ein anerkannter Beruf auf Kuba und wurde 2012 als nationales Kulturerbe eingestuft. Die mehr als 100 Lectores sind für die Zigarrenroller nicht nur wichtiger Bestandteil ihres täglichen Schaffens, sondern teilweise auch Ratgeber bei privaten Problemen und tragen damit maßgeblich zum Gelingen einer guten Zigarre bei. Darüber hinaus sind sie ein nicht unwesentlicher Faktor, der dem Zigarren drehen seinen fast mythischen Ruf eingebracht hat.

Edle Zigarren aus Kuba: